10/08 2009:Von Krakatau nach Bali – Auf den Spuren des Feuers
Während der ruhigen, rund 5-stündigen Überfahrt von der Westküste zum Krater des Krakatau hatten wir Zeit und Muse uns gegenseitig etwas kennen zu lernen. Eine buntgemischte Gruppe bestehend aus 1 Australier, 1 Holländer, 2 Schweizerinnen (eine davon in Indonesien lebend). Die Altersspannweite erstreckte sich von gut 30 bis gut 60 Jahre. Eine spannende aber auch explosive Mischung! Unser Guide Andi und sein Assistent Galid erzählen vom Anak Krakatau, unserem ersten Ziel. Ihre Begeisterung ist dabei fast mit Händen zu fassen, wenn sie von der derzeitigen Aktivität des Berges sprechen, davon, dass es zwar gefährlich, aber eben auch faszinierend sei, die Explosionen zu beobachten, des Nachts den Feuerschweif zu sehen, die Geräusche zu hören, welche diese Explosionen begleiten. Und als wir nach einigen Stunden ruhiger Fahrt auf See in der Ferne die ersten Explosionen des Anak Krakatau sehen, werden auch wir vom Vulkan-Fieber erfasst. Unzählige Fotos dokumentieren die immer näher kommenden Ausbrüche. Die Einfahrt in den Krater des ehemaligen Krakatau, der 27. August 1883 explodiert ist und unermessliche Zerstörungen mit einer über 40 m hohen Flutwelle angerichtet hat, ist äusserst eindrücklich. Einzelne Bruchstücke sind als Inseln übriggeblieben. Hohe, dichtbewachsene Felswände zeigen, wo der alte Kraterrand gewesen sein muss. Per Schiff umrunden wir ein erstes Mal das Ziel unserer Träume, den Anak Krakatau. Wir bestaunen die Explosionen von allen Seiten, mal direkt im Angesicht des Kraters, mal von hinten oder von der Seite. Aber immer eindrücklich, beeindruckend. Schliesslich nähern wir uns Rakata einer der Krater-Inseln, wo wir für die nächsten zwei Nächte die Zelte aufschlagen und den Berg beobachten wollen.
Unser nächstes Reiseziel ist Yogyakarta und der Merapi. Wir besuchen der „Wächter des Merapi“ einen 82-jährigen Mann, der überzeugt ist, dass ihm sein Glaube hilft und der Berg ihn auch in Zukunft verschont. Er liess sich beim letzten grossen Ausbruch nicht evakuieren und tatsächlich haben die glühenden Gesteinsmassen kurz vor seinem Haus Halt gemacht, sodass ihm nichts passiert ist. Er liebt diesen Berg und steht in ständigem Zwiegespräch mit ihm. Wir haben uns später den Film des letzten Ausbruchs angeschaut und einmal mehr über die unendlich zerstörerische Gewalt der Natur gestaunt. Dabei wuchs bei jedem von uns das Bewusstsein, dass man nicht mehr als ein winziges Staubkorn ist, vergänglich, ein Hauch – nicht mehr! Ein ausgiebiger Spaziergang auf der Flanke des letzten Ausbruchs zeigt uns die vielfältigen Gesteinsarten, kristalline Einschlüsse, Teile der beim Ausbruch mitgerissenen Erdkruste. Für uns zum Staunen, für einen Geologen ein Paradies. Die nächste Nacht verbringen wir in einem einfachen Nachtlager im Schlafsack am Fusse des Merapi. Um 1 Uhr werden wir geweckt und um halb2 Uhr geht’s los. Ziel ist das Plateau unter dem Gipfel und für die ganz Wilden der Gipfel des Merapi. Der Anstieg ist von allem Anfang an steil, sehr steil. Zum Glück ist es dunkel und wir sehen nicht, wohin wir stürzen könnten, falls wir den Weg verpassen. Nach 4 endlos langen Stunden erreichen wir das Plateau unterhalb des Gipfels, einige total erschöpft, andere noch in der Lage den Gipfel selbst zu besteigen. Aber auch für uns „Weicheier“ hat sich der Aufstieg gelohnt. Die Sonnenaufgangs-Stimmung und die Aussicht sind grandios. Dass der Andi nach seiner Rückkehr vom Gipfel noch ein schmackhaftes Frühstück zaubert, ist fast schon zuviel des Guten. Der Abstieg – nicht weniger steil als der Aufstieg – geht gegen Ende in die Knie und die „Altersringe“ machen sich bemerkbar. Zurück in Yogya bleibt ein knapper Tag zur freien Verfügung. Die meisten nutzen die Zeit zum Ausruhen und relaxen, zu einem Ausflug auf den Markt oder einem Besuch im Sultanspalast. Am nächsten Morgen heisst es wieder früh aus den Federn, da wir rechtzeitig am Bahnhof sein müssen. Mitsamt unserem ganzen Gepäck stehen wir bereit und als der Zug kommt, müssen wir unsere Plätze in einem mehr als gut gefüllten Erstklasswagen suchen. Auch das geht problemlos vonstatten und die Fahrt nach Surabaya verläuft ohne Zwischenfälle. Das servierte Mittagessen war – gemessen an der Verpflegung die uns Andi sonst angedeihen liess – ziemlich dürftig. Am frühen Nachmittag sind wir in Surabaya und die Fahrt führt uns zuerst zum riesigen Schlammkrater in der Nähe von Sidoarjo. Spekulation, Geldgier und Inkompetenz haben hier eine Naturkatastrophe grössten Ausmasses geschaffen. Bei einer nicht fachgerecht durchgeführten Bohrung nach Öl wurde eine Schicht mit Ölschlamm angebohrt. Seit nunmehr 7 Jahren tritt der heisse, giftige Ölschlamm aus, füllt Tal um Tal. Hat in der Zwischenzeit schon weit mehr als 20 Dörfer zugedeckt. Und kein Ende ist in Sicht. Kein Versuch, die Katastrophe einzudämmen, den Schlammfluss zu stoppen war bisher erfolgreich. Und wie das in Indonesien so üblich, wurden die betroffenen Leute (noch) nicht entschädigt. Tausende haben alles verloren, Haus, Hof und Lebensunterhalt. Ein schrecklicher Gestank liegt über der endlosen Schlammfläche. Wortlos, bedrückt steigen wir ins Auto, das uns nach Malang bringt. Malang ist die Obst-Stadt von Indonesien. Berühmt ist der Malang-Apfel. Malang liegt aber auch am Fuss der Tengger-Caldera, eines riesigen Vulkangebietes welches Bromo, Ijen und Semeru einschliesst. Ein Erstklasshotel entschädigt für Mühsal und einfacher Unterkunft der Vortage. Am nächsten Morgen geht per Allrad-Jeep nach Ranu-Pani. Über zum Teil halsbrecherische Strecken, fast immer auf der Krete irgendeines Krater-Abbruchs werden wir dorthin gefahren. Schlaglöcher so tief wie man sie sonst nirgends sieht und endlose Kurven stellen hohe Anforderungen an unsere Rückenmuskeln. Ranu-Pani empfängt uns im Nebel. Wir erkunden die Ortschaft ohne Verbindung zur Aussenwelt, d.h. Ohne Telefon oder Internet-Anschluss. Wir machen einen Spaziergang rund um den See und wärmen uns in einem „Warung-makan“, da unsere Unterkunft über keine Heizung verfügt. Alles ist feucht und klamm. Früh am nächsten Morgen geht’s dann auf den 6-stündigen Marsch Richtung Kalimati, dem Plateau vor dem Semeru-Gipfel. Die Mittagsrast an einem idyllischen Bergsee wird von allen zum Ausruhen und Kraftschöpfen für den letzten Wegteil genutzt. Bei Nebel, aber noch vor Einbrechen der Dunkelheit erreicht die Gruppe Kalimati und die Helfer schlagen die Zelte auf. Der für den nächsten Morgen geplante Aufstieg zum Gipfel wird nur von Galid bewältigt. Andi kehrt mit den anderen auf halben Weg um. Zu anstrengend ist der Marsch im lockeren Gestein. Der Fuss findet keinen Halt. Und das auf 1000 m Höhenunterschied! Das Lager liegt auf 2700 m – der Gipfel auf 3700 m. Nach einem kurzen Frühstück geht's zurück an den Lagerplatz am See, der in knapp 2 Stunden erreichbar ist. Eine längere Rast vor der 4-stündigen Wanderung zurück nach Ranu-Pani hilft allen wieder die nötige Kraft finden.
Abschied von der Tengger-Caldera und Fahrt an die Südflanke des Semeru, dort wo regelmässig bei starkem Regen grosse Mengen von Schutt, Geröll und Sand sich den Weg durch die Plantagen bahnen. Mittels mächtiger Dämme versucht man, diesen Massen den Weg zu zeigen, sie wieder auslaufen zu lassen und dann neu zu kanalisieren. Fast im 24-Stunden-Rhytmus werden dort Steine und Sand für Bauzwecke abtransportiert. Für Nachschub ist gesorgt. Wir schlagen ein letztes Mal unsere Zelte auf, sitzen am nächtlichen Lagerfeuer und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Für mich sind Zeltübernachtungen sowieso etwas vom Schönsten. Man spürt den Boden des Landes, man atmet seinen Erdgeruch ein. Nirgends sonst kann man ein Land, eine Landschaft besser erfühlen und erahnen als bei einer Zeltübernachtung (oder nur im Schlafsack im Freien). Am nächsten Morgen zeigt sich der Semeru im Feuer der Sonne in seiner ganzen Schönheit. Fast schien es, als ob die Kraterflanken Feuer gefangen haben. Ein ausgiebiger Spaziergang durchs Gelände zeigt uns die zerstörerische Kraft der Wasser-/Schutt- und Steine-Ströme, die hier regelmässig wüten.
Ganz früh am Morgen war Tagwache, damit wir noch vor Tagesanbruch in den Ijen-Krater einsteigen konnten. Nur bei Nacht sind die blauen Feuer der Schwefelaustritte sichtbar. Leider haben dann aber Wind und Nebel dieses Erlebnis verhindert. Trotzdem, die Mondlandschaft mit dem Schwefelbergwerk war eindrücklich. Noch eindrücklicher wird das Ganze, wenn man weiss, dass die Menschen, die dort arbeiten dies grösstenteils ohne Schutz und zu geringen Löhnen tun. Wer den Film „Working man's death“ gesehen hat, hat auch die Schwefelarbeiter am Ijen sehen können.
Ganz besonderen Dank gehört hier Andi, dem kompetenten Guide. Er hat jede Etappe äusserst gut vorbereitet, war um jedes Detail besorgt, hat sich um uns gekümmert, wusste immer die besten Restaurants und hat es mit viel Liebe und Begeisterung verstanden, uns die Welt der Vulkane etwas näher zu bringen. Für mich war's sicher nicht die letzte Vulkan-Reise... Mit vielen Grüßen Thea Ami, Bali/Indonesien |
|