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Tsunami oder Riesenwellen

Ein Tsunami ist eine seismische Meereswoge, die überwiegend durch Erdbeben auf dem Meeresgrund ausgelöst wird.Sie breitet sich mit hoher Geschwindigkeit (bis zu 800 km/h) über Entfernungen von bis zu 20.000 km aus und kann in Ufernähe einer Tiefseesteilküste auf eine Höhe von etwa 50 Meter ansteigen. Die Geschwindigkeit eines Tsunamis hängt von der Meerestiefe ab; je tiefer das Meer, desto schneller und je flacher, desto langsamer ist der Tsunami. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht er bei einer Meerestiefe von etwa 6000 Metern. Wenn der Küste eine Inselkette oder ein Korallenriff vorgelagert ist, bricht die Welle schon weit draußen auf dem Meer.

Tsunamis werden oft als Flutwellen bezeichnet; ihre Entstehung hat jedoch nichts mit den tageszeitlichen Wechseln zwischen Ebbe und Flut (Gezeiten) zu tun.Starke Tsunamis können weiträumige katastrophale Schäden verursachen und ganze Küstenstriche verwüsten. Eine solche Naturkatastrophe traf beispielsweise am 26. Dezember 2004 14 Anrainerstaaten des Indischen Ozeans. Bei diesem Unglück starben nach neuesten Schätzungen mehr als 225.000 Menschen; etwa 1,7 Millionen Menschen wurden obdachlos.

Der Begriff Tsunami (jap. Hafenwelle) wurde durch japanische Fischer geprägt, die vom Fischfang zurückkehrten und im Hafen alles verwüstet vorfanden, obwohl sie auf offener See keine Welle gesehen oder gespürt hatten. Das liegt daran, dass Japan eine Tiefseesteilküste hat. Die Riesenwellen bilden sich quasi erst kurz vor dem Strand und schlagen deshalb über die Hafenmauer in den Hafen, wo sie die Schiffe zertrümmern. Eine Reihe verheerender Tsunamis zwischen 1945 und 1965 machte dieses Naturphänomen weltweit bekannt und bildete die Grundlage für wissenschaftliche Arbeiten, in deren Folge sich die japanische Bezeichnung als Internationalismus durchsetzte.

Entstehung

Etwa 86% aller Tsunamis werden durch Erdbeben verursacht, die restlichen entstehen durch die abrupte Verdrängung großer Wassermassen, bedingt durch Vulkanausbrüche, küstennahe Bergstürze, Unterwasserlawinen oder Meteoriteneinschläge. Auch Nuklearexplosionen können Tsunamis auslösen. Tsunamis treten am häufigsten im Pazifik auf: Am Rand des Stillen Ozeans, in der Subduktionszone des Pazifischen Feuerrings, schieben sich tektonische Platten der Erdkruste (Lithosphäre) übereinander, wodurch ulkanismus, See- und Erdbeben verursacht werden. Ein Erdbeben kann nur dann einen Tsunami verursachen, wenn alle drei folgenden Bedingungen gegeben sind:

1. es eine Magnitude von 7 oder mehr auf der Richterskala erreicht,

2. sein Hypozentrum nahe der Erdoberfläche am Meeresgrund liegt und

3. eine senkrechte Erdbewegung am Meeresboden verursacht, so dass darüber abrupt große Wassermengen in Bewegung geraten.

Nur ein Prozent der Erdbeben zwischen 1860 und 1948 verursachten messbare Tsunamis. Da sich die leichte Erdbewegung aber über das Medium Wasser weit ausbreiten kann, sind größere Schäden als bei gleichstarken Beben an Land möglich. Möglich ist auch, dass nicht die unmittelbar durch das Erdbeben bedingte Bewegung des Meeresbodens, sondern ein durch das Erdbeben ausgelöster unterseeischer Hangrutsch den Tsunami verursacht. In einem solchen Fall können schon relativ kleine (Magnitude 7) Erdbeben einen Tsunami nach sich ziehen.

Ausbreitung

Tsunamis unterscheiden sich grundlegend von Wellen, die durch Stürme entstehen, denn bei diesen kann das Wasser zwar unter außerordentlichen Bedingungen bis zu 30 Meter hoch aufgeworfen werden, die tieferen Wasserschichten bleiben dabei jedoch unbewegt. Winderzeugte Wellen erreichen Geschwindigkeiten zwischen 8 bis 100 km/h bei Wellenlängen zwischen 100 bis 200 Meter. Bei einem Tsunami bewegt sich dagegen das gesamte Wasservolumen, also die gesamte Wassermenge vom Meeresboden bis zur Meeresoberfläche. Die Wellenhöhe (Amplitude) hängt vom Energiegehalt des Tsunamis und der Wassertiefe ab. Auf dem offenen Ozean beträgt sie selten mehr als einige Dezimeter. Die Wellenlänge, also die Entfernung von einem Wellenberg zum nächsten, liegt zwischen 100 bis 500 km, die Ausbreitungsgeschwindigkeit zwischen 800 bis 1100 km/h bei Wellenperioden zwischen zehn Minuten und zwei Stunden. Der Wasserspiegel wird somit nur langsam und nur um einen geringen Betrag angehoben und wieder abgesenkt, weshalb das Auftreten eines Tsunamis auf offener See meist gar nicht bemerkt wird. Je größer die Wellenlänge, desto geringer sind die Energieverluste während der Wellenausbreitung. Bei kreisförmiger Ausbreitung ist die Energie, mit der eine Welle auf einen Küstenstreifen auftrifft, in erster Näherung umgekehrt proportional zum Abstand vom Entstehungsort des Tsunami. Grundsätzlich repräsentiert eine Welle keine Bewegung von Wasser, sondern Bewegung von Energie durch Wasser. Aus physikalischer Sicht ist Wellenausbreitung immer dann möglich, wenn eine Auslenkung aus einer Gleichgewichtslage, in diesem Fall ein Anstieg oder Abfall des Wasserspiegels, eine entgegen gerichtete Rückstellkraft zur Folge hat. Bei Ozeanwellen wirkt als Rückstellkraft die Schwerkraft, die auf eine möglichst horizontale Wasseroberfläche hinarbeitet. Aus diesem Grund werden Tsunamis zu den Schwerewellen gezählt. Ein Tsunami ist also insbesondere keine Druck- und keine Schallwelle; Kompressibilität, Viskosität und Turbulenz sind nicht relevant. Um die Physik eines Tsunamis zu verstehen, genügt es, die potentialströmung reibungsfreien, inkompressiblen und wirbelfreien Flüssigkeit zu betrachten. Die Theorie der Schwerewellen vereinfacht sich in den beiden Grenzfällen der Tief- und der Flachwasserwelle. Normale Wellen, die beispielsweise durch Wind, fahrende Schiffe oder ins Wasser geworfene Steine verursacht werden, sind meist Tiefwasserwellen, da sich ihre Wellenbasis in der Regel über dem Grund des Gewässers befindet, also dort, wo die Welle keine Auswirkungen mehr hat. Ein Tsunami hingegen ist auch im tiefsten Ozean eine Flachwasserwelle, da das gesamte Wasservolumen bewegt wird und sich auch am Ozeanboden eine langsamere Bewegung in Richtung der Wellenausbreitung feststellen lässt. Tsunamis können binnen einiger Stunden ganze Ozeane durchqueren, ohne dabei überhaupt bemerkt zu werden.

Ein Tsunami breitet sich kreisförmig aus. In Küstennähe wird das Wasser flach. Das hat zur Folge, dass Wellenlänge und Phasengeschwindigkeit abnehmen, die Amplitude der Welle und die Geschwindigkeit der beteiligten Materie aber zunehmen. Die Energie der Tsunamiwelle wird dadurch immer stärker konzentriert, bis sie mit voller Wucht auf die Küste auftrifft.

Typische Amplituden beim Auftreffen eines Tsunamis auf die Küste liegen in einer Größenordnung von 10 Metern; am 24. April 1971 wurde in der Nähe der japanischen Insel Ishigaki von einer Rekordhöhe von 85 Metern in flachem Gelände berichtet. Läuft ein Tsunami in einen Fjord, so kann sich die Welle auf weit über 100 Meter aufstauen. In einem Fjord in Alaska wurden mehrere Wellen mit rund 150 Metern und sogar eine mit bis zu 530 Metern Höhe nachgewiesen (Megatsunami). Diese gigantischen Wellen entstanden jedoch nicht als Fernwirkung eines Erdbebens, sondern durch Wasserverdrängung im Fjord selbst: Heftige Erdbeben ließen Berghänge in den Fjord rutschen und brachten diesen schlagartig zum Überlaufen.

Die Änderung der Wellenausbreitungsgeschwindigkeit bei Annäherung des Tsunami an die Küste hängt vom Tiefenprofil des Meeresbodens ab. Je nach örtlichen Gegebenheiten kann es dabei zu Brechungseffekten kommen: So wie Licht beim Übergang von Luft in Wasser oder Glas seine Richtung ändert, so ändert auch eine Tsunamiwelle ihre Richtung, wenn sie schräg durch eine Zone läuft, in der sich die Meerestiefe ändert. Je nach Ursprungsort des Tsunami und Unterwassertopographie kann es dabei zur Fokussierung des Tsunami auf einzelne Küstenbereiche kommen. Wie ein akustisches Signal, so besteht auch ein Tsunami nicht aus einer einzelnen Welle, sondern aus einem ganzen Paket von Wellen mit unterschiedlichen Frequenzen und Amplituden. Wellen unterschiedlicher Frequenz breiten sich mit leicht unterschiedlicher Geschwindigkeit aus.

Deshalb addieren sich die einzelnen Wellen eines Paketes in von Ort zu Ort und von Minute zu Minute unterschiedlicher Weise. Je nach Ursache kann ein Tsunami an einem Punkt der Küste zuerst als Wellenberg oder zuerst als Wellental beobachtet werden. Ist die Ursache des Tsunamis ein Hangabrutsch oder Herunterbrechen einer Kontinentalplatte, so wird Wasser zur Sohle hin beschleunigt. Wasser wird komprimiert, und es entsteht zunächst ein Wellental. Danach expandiert das Wasser wieder auf sein ursprüngliches Volumen, und der Wellenberg entsteht. Beim Eintreffen der Welle an der Küste zieht sich zunächst die Küstenlinie zurück, unter Umständen um mehrere 100 Meter. Wenn der Tsunami eine unvorbereitete Bevölkerung trifft, kann es geschehen, dass die Menschen durch das ungewöhnliche Schauspiel des zurückweichenden Meeres angelockt werden, statt dass sie die verbleibenden Minuten bis zur Ankunft der Flutwelle nutzen, um sich auf höher gelegenes Gelände zu retten.

Auswirkungen und Schutzmaßnahmen

Tsunamis zählen zu den verheerendsten Naturkatastrophen, mit denen der Mensch konfrontiert werden kann, denn ein mächtiger Tsunami kann seine zerstörerische Energie über Tausende von Kilometern weit mitführen oder sogar um den ganzen Erdball tragen. So wird ein Tsunami als Auslöser für die biblische Sintflut vermutet. Ohne schützende Küstenfelsen können schon drei Meter hohe Wellen mehrere hundert Meter tief ins Land eindringen. Die Schäden, die ein Tsunami beim Vordringen verursacht, werden noch vergrößert, wenn die Wassermassen wieder abfließen. Die Gipfelhöhe eines Tsunamis hat nur bedingte Aussagekraft über seine Zerstörungskraft. Gerade bei niedrigen Landhöhen kann auch eine niedrige Wellenhöhe von nur wenigen Metern ähnliche Zerstörungen wie ein großer Tsunami mit über 30 Metern anrichten. In den letzten zehn Jahren wurden weltweit 82 Tsunamis registriert, wobei zehn von ihnen zusammen mehr als 4000 Menschenleben kosteten. Am 26. Dezember 2004 wurden durch den wohl bisher größten Tsunami in Südostasien ca. 225.000 Menschen getötet (Stand: 11. Februar 2005) . Ausgelöst wurde die Welle durch ein Erdbeben der Stärke 9,3 auf der Richterskala. Es war seit Beginn der weltweiten Aufzeichnungen erst das fünfte Beben dieser Stärke (vgl. Quelle (http://neic.usgs.gov/neis/eqlists/10maps_world.html)). Die verheerende Wirkung beruhte hier vor allem auf dem großen Wasservolumen, das pro Kilometer Küstenlinie auf das Land traf, während die Wellenhöhe mit zumeist nur wenigen Metern vergleichsweise niedrig war. Japan musste aufgrund seiner geografischen Lage in den letzten tausend Jahren die meisten Todesopfer durch Tsunamis beklagen; in dieser Zeit starben über 160.000 Menschen. In den letzten 100 Jahren richteten jedoch nur 15 Prozent der 150 registrierten Tsunamis Schäden an oder kosteten Menschenleben. Heutzutage verfügt Japan über ein effektives Frühwarnsystem; für die Bevölkerung finden regelmäßig Trainingsprogramme statt. Viele japanische Küstenstädte schützen sich durch das Errichten riesiger Deiche, z. B. ein 10 Meter hoher und 25 Meter breiter Wall auf der Insel Okushiri. In Indonesien dagegen wirkt heute noch die Hälfte der Tsunamis katastrophal, denn die meisten Küstenbewohner sind über die Anzeichen, die einen Tsunami ankündigen, nicht informiert. Meistens ist auch das Land sehr flach und die Wassermassen fließen bis ins Landesinnere. Nicht nur die Anrainerstaaten der Pazifikküste sind von Tsunamis betroffen. Auch an den europäischen Küsten treten diese Riesenwellen auf, wenn auch wesentlich seltener. Da die Afrikanische Platte sich nach Norden unter die Europäische Platte schiebt, können durch Erdbeben im Mittelmeer und im Atlantik ebenfalls Tsunamis entstehen. Um die Tsunami-Schäden einzuschränken, wurden überall auf der Erde Seismographen unter Wasser installiert, bisher jedoch kaum im Indischen Ozean. Eine wichtige Rolle bei der Auswertung der Daten spielt das Pacific Tsunami Warning Center (PTWC) in Honolulu auf Hawaii, das zwischen 1950 und 1965 schrittweise aufgebaut wurde. Fehlalarme können allerdings bei einer unnötigen Evakuierung hohe Kosten verursachen und das Vertrauen der Menschen in die Prognosen untergraben. Ein neues, weltweites System soll Mitte 2005 in Betrieb gehen. Für die Erkennung von den Erdbeben werden die seismologischen Auswertungen der UNO herangezogen.

Auswirkungen auf den Menschen

Ertrinken: Menschen werden durch die starken Strömungen ins Meer gespült. Andere ertrinken, weil sie nicht schwimmen können, oder durch Erschöpfung.

Unterkühlung: Bei niedriger Wassertemperatur kühlt der Körper im Wasser sehr schnell aus. Hierdurch können Menschen durch Erfrieren umkommen oder erkranken. Schnittwunden, Prellungen, Quetschungen, innere Blutungen: Menschen werden mitgerissen und von Gegenständen, die im Wasser mit treiben, oder solchen, die fix bleiben (z. B. Felsen, Steinmauern), verletzt. Verschüttet werden in Gebäuden, die unter dem Druck des Wassers zusammenbrechen.

Indirekte Auswirkungen:

Außer den unmittelbaren Folgen für die betroffenen Menschen gibt es bei großen Tsunamis auch erhebliche Spätfolgen:

Hunger, Durst: Zerstörte Infrastruktur verunmöglicht die Grundversorgung mit sauberem Wasser und Nahrungsmitteln, Krankheiten, Epidemien: Wenn verstreute Leichen nicht schnell genug bestattet werden können und die ärztliche Versorgung zusammenbricht, können Krankheiten/Seuchen entstehen und sich ausbreiten.

Armut: Die breite Zerstörung beraubt viele Menschen ihrer Lebensgrundlagen und Erwerbsmittel.

Nach dem Tsunami überwältigen die Menschen der Schock. Wer der Flut entkommen ist, wird die seelischen Wunden nicht mehr los.

Schutzmaßnahmen für Menschen

Viele Staaten haben Frühwarnsysteme eingerichtet, da diese die Tsunamis schon bei der Entstehung erkennen - sie zeichnen die seismographischen Plattenbewegungen auf - und durch den gewonnenen Zeitvorsprung die Küsten evakuiert werden können. Leider besitzen einige von der Gefahr betroffene Staaten diese Systeme nicht, oder Informationsnetz ist so schlecht ausgebaut, dass eine Vorwarnung nur eingeschränkt oder überhaupt nicht möglich ist.

Einige Küstenstädte in Japan (wie zum Beispiel die Stadt Taro auf der Insel Okushiri) schützen sich durch bis zu 10 Meter hohe und 25 Meter breite Deiche, deren Tore innerhalb von wenigen Minuten geschlossen werden können. Außerdem beobachten Leute vom Küstenschutz mit Kameras den Meeresspiegel auf Veränderungen. Ein Frühwarnsystem gibt bei Erdbeben der Stärke 4 (Richterskala) automatisch Tsunami-Alarm, so dass die Einwohner evakuiert werden können. Wenn man in einem Tsunami Gebiet lebt, sollte man unbedingt folgende Sicherheitsmaßnahmen beachten:

Sich ins Landesinnere begeben.

Nicht in Ufernähe schlafen oder leben. (Mindestabstand 300 Meter)

Sich auf eine Anhöhe begeben (mindestens 30 Meter Höhe)

Dort wo vorhanden, Alarmsirenen beachten (Da in vielen Gegenden Tsunamis selten sind und gelegentlich Fehlalarm gegeben wird, kommt es vor, dass viele Menschen die Alarmsirenen ignorieren.)

Mit mehreren Wellen rechnen und nicht nach der ersten oder zweiten Welle zurückkehren (Zwischen den Wellen weicht das Meer sehr weit zurück. Das ist als Alarmzeichen zu sehen.)

Sich im Notfall auf einem starken Baum in Sicherheit bringen

Sich auf etwas schwimmfähigem aufhalten (Dach, große Tür, Tor)

Die größten Tsunamis

26. Dezember 2004: Durch ein Erdbeben im Indischen Ozean vor der Insel Sumatra mit der Magnitude 9,3 auf der Richterskala - das seit Beginn der Aufzeichnungen erst fünfte Beben in dieser Stärke - ereignete sich eine der bisher schlimmsten Tsunami - Katastrophen der Geschichte. Mindestens 225.000 Menschen (Stand: 11. Februar 2005) in 8 asiatischen Ländern (insbesondere Indonesien/Sumatra, Sri Lanka, Indien, Thailand, Myanmar, Malediven, Malaysia und Bangladesh) wurden getötet. Die Flutwelle drang mehrere tausend Kilometer bis nach Ost- und Südostafrika vor; Opfer wurden auch aus Somalia, Tansania, Kenia, Südafrika, Madagaskar und von den Seychellen gemeldet.

17. Juli 1998: An der Nordküste von Papua-Neuguinea werden 2000 Menschen von einer Flutwelle getötet, die von einem Beben ausgelöst wurde.

2. September 1992: An der Pazifikküste von Nicaragua wurden etwa 180 Menschen von einer zehn Meter hohen Flutwelle getötet, die von einem Beben 120 km vor der Küste ausgelöst wurde.

16. August 1976: Ein Tsunami im Morogolf kostete auf den Philippinen mehr als 5.000 Menschenleben.

28. März 1964: Am Karfreitag löste ein Erdbeben vor Alaska an der gesamten Westküste der USA eine Flutwelle aus. In Alaska kamen 107, in Oregon vier und in Kalifornien elf Menschen ums Leben.

9. Oktober 1963: Im Städtchen Longarone (das sich zwei Kilometer entfernt unterhalb des Stausees Vaiont befindet) in Italien bricht am Abend unter einem Erdrutsch der gesamte Nordhang des Monte Toc zusammen. Direkt in den Stausee - der Staudamm brach zwar nicht, das Wasser schwappte aber über und stürzte als eine 140 Meter hohe Welle hinunter ins Tal. Mehrere Dörfer wurden zerstört, 4000 Menschen kamen ums Leben.

22. Mai 1960: Eine elf Meter hohe Welle im Pazifik tötete in Chile 1000 Menschen. Auf Hawaii kommen 61 Menschen ums Leben, doch durch ein erstes Warnsystem konnte der Ort Hilo rechtzeitig evakuiert werden. 9. Juli 1958: In der Lituya Bay (Alaska) entstand durch einen Erdrutsch ein Tsunami, der auf dem gegenüberliegenden Uferhang der engen fjordähnlichen Bucht bis in eine Höhe von 520 m aufgespült wurde.

1. April 1946: Vor Alaska reißt eine Springflut als folge eines Erdbebens die fünfköpfige Besatzung eines Leuchtturmes in den Tod. Stunden später erreichte die Welle das fast 3700 km entfernt liegende Hawaii, wo 159 Menschen sterben.

1936 - Bei einem erneuten Felsabsturz des Ramnefjell in den Lovatn-See entsteht eine 70 m hohe Flutwelle und zerstört wiederum zwei Dörfer. Ein Ausflugsschiff wird 350 m weit ins Land getragen. Die Dörfer wurden daraufhin aufgegeben, so dass bei einem weiteren Erdrutsch mit Flutwelle im Jahre 1950 keine Opfer zu beklagen waren.

28. Dezember 1908: In Messina/Italien wurde die Stadt fast vollständig durch ein Erdbeben und einem darauf folgenden Tsunami zerstört. Mehr als 75.000 Menschen fanden den Tod.

31. Januar 1906: Die Küsten Kolumbiens und Ecuadors wurden von einer verheerenden Flutwelle überschwemmt, 500 bis 1500 Menschen kamen ums Leben.

15. Januar 1905: Bei einer durch einen Felsabsturz des Ramnefjell in den Lovatn-See (Norwegen) verursachten 40 m hohen Flutwelle starben im 10 km entfernten gegenüberliegenden Ufer 63 Einwohner der Dörfer Bodal und Nesdal.

15. Juni 1896: Der so genannte Saraiko-Tsunami, eine Wasserwand von 23 Metern Höhe, überraschte Japan während religiöser Feierlichkeiten. 26.000 Menschen ertranken.

27. August 1883: Nach der Detonation des Vulkans Krakatau entstand ein großer Tsunami, der im nahen Umkreis 40 Meter hohe Flutwellen auslöste, 36.000 Menschen starben an den Küstengebieten von Java und Sumatra. Selbst an der Küste Großbritanniens stieg der Meeresspiegel um etwa einen halben Meter. Eine von der Vulkanexplosion verursachte Luftdruckwelle raste siebenmal um die Erde und löste im 8000 km entfernten Lake Taupo in Neuseeland einen Mikrotsunami aus.

1. November 1755: Die portugiesische Hauptstadt Lissabon wird von einem Brand zerstört, der in Folge eines Erdbebens ausbricht. Als die Einwohner vor den Flammen an das Ufer des Tejo flüchten, werden sie von haushohen Flutwellen überrascht. Zwei Drittel der Stadt werden zerstört, 60.000 Menschen sterben. Der Tsunami macht sich noch in Irland und jenseits des Atlantiks auf den kleinen Antillen bemerkbar, Madeira wird von 15 Meter hohen Wellen erreicht. (Das Erdbeben ist auch in Venedig deutlich zu spüren und wird sogar in Casanovas Memoiren erwähnt.)

18. November 1601: Ein Erdbeben mit Zentrum in Unterwalden in der Zentralschweiz forderte angeblich acht Tote. Erschütterungen waren in der ganzen damaligen Schweiz zu spüren. Die durch das Erdbeben ausgelösten Rutschungen führten zu einer vermutlich bis zu 4 Meter hohen Flutwelle im Vierwaldstättersee, welche in der Stadt Luzern beträchtliche Schäden anrichtete. Das Ereignis wurde vom damaligen Stadtschreiber Renward Cysat ausführlich beschrieben. Es handelt sich um einen der ersten durch einen Augenzeugen gut dokumentierten Tsunami.

1628 v. Chr.: Eine Vulkanexplosion auf Santorin führt zu 60 Meter hohen Wellen im gesamten östlichen Mittelmeer. Dies soll zur Auslöschung der minoischen Kultur geführt haben. in prähistorischer Zeit kamen gewaltige Tsunamis mit unvorstellbaren Höhen von 300 bis 400 m vor. Sie entstanden durch gewaltige Hangrutsche oder Einstürze ganzer Berge, die aufgrund von vulkanischen Tätigkeiten ins Meer brachen, zum Beispiel von den Inseln Hawaiis vor 110 000 Jahren oder durch Unterwasserlawinen, wie vor 8 000 Jahren vor der norwegischen Küste.

Die Tsunamis können heutzutage durch Ablagerungen der so genannten Tsunamite und Felsproben rekonstruiert werden.

Megatsunami

Besonders große Tsunamis werden von den Medien als Megatsunami bezeichnet.

Gefahrenzonen  Die häufigsten Tsunamis entstehen am westlichen und nordlichen Rand der pazifischen Platte, im Pazifischen Feuerring. Überwacht werden auch Inseln vulkanischem Ursprungs wie die Kanarischen Inseln oder Hawaii.

Dass die Kanarischen Inseln eine solche Gefahr darstellen, erwies sich vor rund 300.000 Jahren, als ein Teil der Insel Hierro ins Meer rutschte, einen Megatsunami auslöste und an der Ostküste der heutigen USA hausgroße Felsen mehrere hundert Meter ins Landesinnere trug. Die Gefahr eines derartigen Inselrutsches wird von Wissenschaftlern heutzutage besonders bei La Palma (Kanarische Inseln) gesehen, auf der sich eine Woche nach dem letzten Vulkanausbruch 1949 beinahe die Hälfte des Berges auf einer Länge von 20 km um bis zu vier Meter westwärts in Richtung Meer verschoben hat und einen großen Riss im vulkanischen Basalt entstehen ließ. Bei einer erneuten Eruption kann sich aufgrund verschiedenartigen Gesteins und diverser Wasserdepots innerhalb des (aktiven) Vulkanberges ein massiver Teil des Vulkans lösen und ins Meer rutschen, so dass vor allem die dicht besiedelte amerikanische Ostküste massiv bedroht ist. Ähnliche Voraussetzungen weist ein großer Bruch auf Hawaii auf; mit dem Unterschied, dass dieser nahezu senkrecht verläuft, also kein allzu großes Gefahrenpotenzial besitzt.

Auch ein Meteoriteneinschlag kann einen Megatsunami auslösen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Himmelskörper auf dem Meer aufprallt, ist relativ groß, denn 71 % der Erde sind von Wasser bedeckt. Ein solcher Aufprall würde zuerst eine riesige Staubwolke aufwirbeln und dann eine gigantische Flutwelle von über 100 Metern Höhe erzeugen. Nicht nur die Küstenländer, sondern auch das Binnenland würde überschwemmt werden. Die Zerstörungen wären verheerend und die Zahl der Toten kaum abschätzbar.

Andere Riesenwellen

Riesige Oberflächenwellen, deren Ursprung nicht durch tektonische Aktivitäten verursacht wird, werden zum Beispiel am Kap Hoorn oder in anderen Regionen regelmäßig beobachtet; sie werden in der Seemannsprache auch Kaventsmann genannt. Sehr lange wurden sie als Seemannsgarn belächelt, bis Satellitenaufnahmen und andere Messungen ihre Existenz bewiesen. Etwa jede 3000. Welle ist doppelt so hoch wie der Durchschnitt der anderen Wellen. Etwa alle 20 Jahre, so die statistische Wahrscheinlichkeit, kann ein Schiff von einer Riesenwelle oder Monsterwelle (25 bis 35 Meter hoch) überrascht und schwer beschädigt oder gar zerstört werden. Neuere Auswertungen von Satellitendaten bei der ESA ergaben, dass diese Wellen allerdings sehr viel häufiger auftreten, als bisher angenommen (in einem Zeitraum von nur drei Wochen fanden sich auf den Satellitenbildern 10 Wellen mit mehr als 25 Metern Höhe). Einige der Forscher glauben danach, dass die meisten der rund 200 Großschiffe mit über 200 Metern Länge, die in den letzten 20 Jahren gesunken sind, direkt oder indirekt durch solche Wellen versenkt wurden.

Große Aufmerksamkeit erregte um Weihnachten 1978 der Fall des deutschen LASH - Carries (Lighter Aboard Ship) München, der mit 28 Mann Besatzung im Atlantik  nördlich der Azoren spurlos verschwand. Die Seeamtsverhandlung ergab, dass vermutlich eine Riesenwelle das Schiff zunächst manövrierunfähig machte und dann untergehen ließ.

Hohen Bekanntheitsgrad im Zusammenhang mit einer Riesenwelle erlangte das Unglück des Kreuzfahrtschiffes Bremen, das am 22. Februar 2001 im Südatlantik von einer 35 Meter hohen Welle getroffen wurde und nur knapp dem Untergang entging. Man vermutet, dass diese Riesenwellen durch Überlagerung von mehreren normalen Wellen entstehen. Dabei können Wellen von bis zu 40 Metern Höhe entstehen.

Warum gerade an gewissen Stellen wie Kap Hoorn häufiger solche Riesenwellen beobachtet werden, wird seit einigen Jahren erforscht.